Jeder baut jetzt Compliance-Agenten. Die spannende Frage ist, wer sie kontrolliert
Innerhalb weniger Wochen haben Vanta, Drata und ServiceNow KI-Agenten für die Compliance vorgestellt. Gleichzeitig erwartet Gartner, dass bis 2027 vier von zehn Unternehmen ihre autonomen Agenten wieder zurückfahren. Eine Geschichte über einen Wettlauf, ein altes Muster in neuem Gewand, und drei Fragen, die man vor dem ersten Agenten beantworten sollte.
Der Juni hat im Compliance-Markt ein Tempo vorgelegt, das man sonst eher von Consumer-Apps kennt. Am 2. Juni stellte Vanta seinen „Agent for Risk" vor, der internes Risiko und Drittparteirisiko in einer Ansicht zusammenführt, und wurde kurz darauf im ersten Anlauf Leader im Forrester Wave für GRC-Plattformen. Am 10. Juni erklärte Drata die Steuerung von KI-Agenten zur „vierten Dimension von Trust" und launchte dafür ein eigenes Produkt. Und Ende des Monats kündigten ServiceNow und Accenture gemeinsame Services an, um Legacy-Risk-Plattformen gleich komplett auf agentische KI zu migrieren. Legt man die Ankündigungen nebeneinander, ist das Muster deutlich: Autonomie ist das neue Verkaufsargument.
Die Gegenrechnung
Fast zeitgleich hat Gartner Ende Mai eine auffallend nüchterne Prognose veröffentlicht: Bis 2027 werden rund 40 Prozent der Unternehmen ihre autonomen KI-Agenten zurückstufen oder abschalten, weil Governance-Lücken meist erst dann sichtbar werden, wenn in der Produktion etwas schiefgegangen ist. Laut 451 Research halten außerdem 67 Prozent der GRC-Einkäufer die Autonomie-Versprechen der Anbieter für überzogen. Das ergibt ein merkwürdiges Bild: Die Branche verkauft Autonomie, und die Mehrheit der Käufer glaubt ihr nicht. Vermutlich zu Recht. Denn ein Agent, der Compliance-Entscheidungen trifft, ist selbst ein Governance-Fall.
Ein bekanntes Muster, neu verpackt
Wir haben diese Woche über den Server geschrieben, der in keinem Inventar stand und genau deshalb der Weg ins Netz war. KI-Agenten wiederholen dieses Muster im Zeitraffer: Ein Agent bekommt Zugriffsrechte, arbeitet unauffällig vor sich hin und taucht in keinem Verzeichnis auf. Drata nennt das inzwischen Schatten-KI und baut Sensoren, um fremde Agenten im eigenen Haus überhaupt erst zu finden. Die neue Produktkategorie heißt also Governance von KI, nicht Governance durch KI. Dass ausgerechnet die Agenten-Anbieter sie erfunden haben, ist eine hübsche Ironie am Rande.
Drei Fragen, bevor der erste Agent loslegt
- Steht er im Inventar? Welche Agenten laufen überhaupt, unter welcher Identität, mit welchen Rechten? Ein Agent, den niemand registriert hat, ist die neue vergessene Testmaschine.
- Liest er oder handelt er? Zugriff und Autonomie sind zwei getrennte Entscheidungen. Ein Agent darf viel wissen und trotzdem wenig dürfen.
- Ist der Zugang offen oder eingesperrt? Läuft die KI über einen offenen Standard, den man prüfen, protokollieren und wechseln kann? Oder über eine geschlossene Plattform, deren Innenleben man mitkauft, ob man will oder nicht?
Warum wir die Reihenfolge umgedreht haben
Bei isidaten sind wir den umgekehrten Weg gegangen: erst der kontrollierte Zugang, dann die Autonomie. Unser MCP-Server stellt inzwischen praktisch die gesamte Plattform mandantengetrennt für KI-Clients bereit, von Risiken über Audits und Richtlinien bis zu Lieferanten und Firewall-Regeln. Zugreifen und zuarbeiten kann die KI damit heute schon, den Anstoß gibt weiterhin ein Mensch. Autonome Assistenz bauen wir auf diesem Fundament auf, nicht davor. Das klingt weniger spektakulär als ein Agent, der nachts allein das Audit erledigt. Es hat nur einen Vorteil: Es funktioniert auch dann noch, wenn Gartner recht behält. Wie der KI-Zugriff per MCP konkret aussieht, zeigt die Modulseite, oder direkt in einer Demo.
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