Die Metrik zählt, nicht die Zahl
Hundert Installationen sind keine hundert Lizenzen. Sie sind hundert, zwölf oder null, je nachdem, wie der Hersteller zählt. Wer eine Lizenzbilanz aus einer Installationsliste ableitet, rechnet an der Frage vorbei.
Die erste Frage bei einem Herstelleraudit klingt harmlos: Wie oft ist das Produkt bei Ihnen installiert? Die Antwort ist meistens schnell da, und sie ist selten die Antwort, die zählt.
Denn eine Installationszahl wird erst dann zu einer Lizenzaussage, wenn feststeht, wie der Hersteller zählt.
Dieselbe Installation, drei Ergebnisse
Ein Produkt liegt auf hundert Rechnern, benutzt wird es von zwölf Personen, und es läuft auf einem Server mit zwei Sockeln zu je acht Kernen.
Ist die Lizenz an den benannten Benutzer gebunden, brauchen Sie zwölf. Ist sie an das Gerät gebunden, brauchen Sie hundert. Ist sie pro Kern lizenziert, brauchen Sie sechzehn, multipliziert mit einem Faktor, den der Hersteller je nach Prozessortyp festlegt. Und bei einer Unternehmenslizenz kann die Zahl schlicht keine Rolle spielen.
Es ist derselbe Bestand. Nur die Rechenregel ist eine andere.
Warum das nicht nach Detail aussieht, aber teuer wird
Wir führen im Modul siebzehn Metriken, weil so viele in der Praxis vorkommen: benannter Benutzer, gleichzeitige Benutzer, pro Gerät, pro Server, pro VM, pro Instanz, pro CPU, pro Kern, Processor Value Unit, pro Gigabyte Arbeitsspeicher, Zugriffslizenzen für Benutzer und für Geräte, Standort, Unternehmen, ausgabebasiert etwa nach Seiten, nach Token oder API-Aufrufen, und OEM.
Zwei davon brauchen zusätzlich einen Kernfaktor, weil die Zahl der Kerne allein nicht genügt. Eine erlaubt ausdrücklich eine Überschreitung.
Wer all das in einer Tabelle mit einer Spalte „Anzahl" führt, hat keine Lizenzbilanz, sondern eine Inventarliste mit einer Überschrift, die etwas anderes verspricht.
Die zweite Hürde steht vor der ersten
Bevor überhaupt gerechnet werden kann, muss die installierte Software erkannt und benannt sein. Das klingt trivial und ist es nicht. Dasselbe Produkt taucht in Inventaren unter mehreren Schreibweisen auf, mit Versionsnummern, Editionen und Zusätzen, die mal zum Produkt gehören und mal nicht.
Deshalb trennt die Software-Erkennung sauber in zugeordnete und ungelöste Einträge. Die ungelösten verschwinden nicht und werden auch nicht geraten, sie stehen als offene Aufgabe da und lassen sich einzeln zuordnen.
Eine Bilanz, die stillschweigend über nicht erkannte Installationen hinweggeht, ist im Audit wertlos. Der Hersteller findet sie trotzdem.
Zwei Richtungen, zwei völlig verschiedene Rechnungen
Am Ende steht die effektive Lizenzposition, also der Abgleich zwischen Berechtigung und Verbrauch. Sie kann in zwei Richtungen abweichen, und die beiden haben wenig miteinander zu tun.
Wird mehr genutzt als berechtigt, ist das ein Compliance-Fall mit Nachzahlung, und er wird nicht kleiner, während er unentdeckt bleibt. Ist mehr berechtigt als genutzt, liegt Geld auf ungenutzten Plätzen, was ärgerlich, aber ungefährlich ist.
Beides ist eine Abweichung, nur eine davon hat eine Frist.
Was daraus folgt
Eine Lizenzbilanz beginnt nicht beim Zählen, sondern beim Vertrag: Welche Metrik gilt, für welchen Zeitraum, in welcher Menge. Erst danach hilft die Installationsliste.
Mehr auf der Modulseite zum Lizenzmanagement.
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